Auch Citruspflanzen wollen gegossen werden, nur nicht zuviel...

In allen Citrus-Anbauländern spielt die Bewässerung eine große Rolle. So ist die Bewässerung in Florida/USA von großer Bedeutung, da dort die Bodenschichten sehr durchlässig sind. Dadurch können bei Bewässerung Unkrautvernichtungsmittel, Insektizide und Düngesalze in das Grundwasser geschwemmt werden, wenn hier nicht peinlichst auf korrekte Dosierung der Wassermengen und ihrer Inhaltsstoffe geachtet wird. Zuviel Wasser und Staunässe führt in den meisten Fällen zu Wurzlefäule, von denen sich die Pflanzen nur schwer erholen. Zuwenig Wasser läßt die Bäume welk und unproduktiv werden. Große Trockenschäden können sogar das Absterben des Edelreis zur Folge haben.

Auch im Kübel spielt die Bewässerung eine entscheidende Rolle, die ein gewisses Fingerspitzengefühl nötig macht. Beim Gießen achten Sie darauf, zuvor die Feuchte im Ballen geprüft zu haben. Stecken Sie beruhigt einen Finger tief in die Topferde um zu fühlen, wie feucht die Erde im Inneren des Ballens noch ist. Faustregel sind die oberen 3-5 cm trocken, durchdringend gießen. Ist aber noch Feuchte zu spüren, nicht gießen. Falls Sie unsicher sind, entscheiden Sie sich lieber für nicht gießen. Zeigt die Pflanze welke Erscheinungen (seitlich nach oben eingerollte Blätter, hängendes Laub) und ist der Erdballen trocken, sollten Sie aber gießen. Ist allerdings der Erdballen feucht oder sogar naß, ist ein Wurzelschäden die Ursache. Hier hilft nur rasches Notumtopfen (siehe Krankheiten und Schädlinge). Versuchen Sie auch beim Gießen nicht den Wurzelhals und den Stamm mit Wasser zu benetzen, da sich bei manchen Unterlage schnell Fußfäule bemerkbar machen kann (siehe PilzKrankheiten). Gießen Sie am Besten in den frühen Morgenstunden, so hat der Ballen den Tag über die Möglichkeit abzutrocknen. Gießen Sie nie in der Mittagszeit, weil hier die Pflanzen ihre Spaltöffnungen schließen und so Wasser sparen. Hier würde ihr gut gemeintes Gießen ebenfalls zu Staunässe führen. Viele Unterlagen weisen zwar eine gute Toleranz gegen Staunässe auf, aber dennoch sollte ein unnötiges Risiko vermieden werden. Daher muß auf eine gute Drainageschicht am Topfboden, welche die Abzugslöcher freihält, damit das überschüssige Wasser ablaufen kann, geachtet werden. Diese Drainageschicht sollte aus Kies oder Hydrokultur-Blähton bestehen und keinesfalls wasserspeichernd sein. Wenn Sie nun gießen, dann gießen Sie langsam und in Pausen. Ansonsten läuft das Wasser durch offene Kanälchen im Substrat einfach in den Untersetzer oder ins Freie. Die Pflanze kann dann immer noch nicht genügend Wasser aufnehmen. Daher sollten Sie Pausen machen und langsam gießen, damit sich das Substrat richtig vollsaugen kann. Im Sommer und wenn die Pflanzen im Freien stehen sollten Sie sich die Mühe machen und jeden zweiten Tag, besser täglich die Feuchte im Substrat prüfen. Stellen Sie im Freien die Kübel vielleicht noch auf kleine Holzleisten, damit das Wasser wirklich gut ablaufen kann. Überschüssiges Wasser sollte so rasch als möglich aus dem Untersetzer, um Staunässe zu vermeiden. Denken Sie auch bei Regen daran, daß Sie vielleicht gießen müssen. Die große Blattkrone kann den Kübel so gut vor Nässe schützen, daß der Regen kaum auf die Kübelerde trifft. Kleine Pflanzen oder welche mit spärlicher Krone müssen vor zuviel Nässe geschützt werden. Decken Sie den Kübel ab, oder sorgen Sie für eine ausreichende Drainage, damit nicht zuviel Wasser im Kübel steht. Prüfen Sie trotzdem ob sie gießen müssen, bevor Sie routinemäßig gießen. Es könnte ja sein, daß der Regen genügend Wasser in den Kübel 'gegossen' hat. Im Winter stellen Sie den Kübel auf einen Untersetzer der die entsprechende Größe hat und gießen so, wie für den Sommer beschrieben. Reduzieren Sie aber die Menge. Der Ballen braucht bei kühler Überwinterung nicht völlig feucht zu werden, er darf ruhig auf der trockenen Seite sein. Die Temperatur des Wassers sollte bei etwa 18°C-20°C liegen. Nicht wärmer, weil sonst die Wärme die Winterruhe unterbricht, aber auch nicht kälter, weil sonst die Wurzeln durch die Kälte einen regelrechten Kälteschock bekommen. Sie stellen dann die Wasseraufnahme ein und ihre Pflanze welkt weiter. Bei warmer Überwinterung gießen Sie ebenfalls weniger, aber der Ballen sollte ruhig ab und an durchfeuchtet werden. Nehmen Sie bei warmer Überwinterung Wasser, welches Umgebungstemperatur hat, oder etwa 5°C wärmer ist, aber nicht wärmer wie 25°C! Die beste Gießwassertemperatur bei warmer Überwinterung liegt laut meinen Erfahrungen zwischen 21°C und 23°C! Im Sommer sollte ebenfalls das Wasser nicht über 28°C temperiert sein, lagern Sie es etwas im Schatten. Sollte es dann doch wärmer werden ist es nicht schlimm, weil die Verdunstungskälte die Temperatur etwas erniedrigt. Noch etwas gießen Sie nie so, daß eine große Wassermenge aus den Abnzugslöchern austritt. Sie spülen damit Nährstoffe unnötig aus dem Substrat, was Sie ggf. mit Dünger wieder ausgleichen müßten. Auch zu häufiges Gießen begünstigt diesen Effekt, weshalb die Pflanzen oft helle Blätter bekommen, weil kaum Nährstoffe im Boden verbleiben sind. Nur wenn die Pflanzen nach der Überwinterung an einem warmen Sonnentag im Mai nach Wasser verlangt, sollten Sie das Substrat einmal kräftig durchspülen. Da darf dann ruhig etwas mehr Wasser aus den Abzugslöchern ablaufen. Damit werden schädliche Salzreste, Kalkablagerungen und sonstige störende Stoffe ausgeschwemmt, daß Substrat sozusagen regeneriert. Dann gießen Sie mit einer Düngerlösung oder verabreichen einen Langzeitdünger (siehe Düngen).

Nun zum Thema Gießen gehört für mich auch die Luftfeuchtigkeit. Achten Sie vor allem in Innenräumen auf Luftfeuchten über 50% rel. Feuchte. Auch im Winter in Innenräume sollte die Luft feucht gehalten werden, besonders bei warmer Überwinterung. Wie schon im Abschnitt Standort erklärt gibt es verschiedene Möglichkeiten die Luftfeuchte zu erhöhen. Am schnellsten geht dies mit einer Sprühflasche die mit kalkarmen Wasser gefüllt wird. Damit werden die Blätter besprüht, was die Luftfeuchte im Laubbereich zum Teil auf über 90% rel. Feuchte erhöhen kann, aber nur solange Wasser verdunsten kann. Im Warmluftstrom einer Heizung ist dies jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Hier hilft es, wenn sie die Pflanze über einen großen Untersetzer stellen, der mit grobem Kies gefüllt ist. Der Untersetzter wird mit Wasser gefüllt und die langsame Verdunstung erhöht im Warmluftstrom die Luftfeuchte um die Pflanze herum. Der Topf darf aber nicht im Wasser stehen. Achten Sie immer darauf den Untersetzer feucht zu halten. Auch eine Isolation mit Styropor oder Holzleiten unter dem Topf kann schon etwas Abhilfe schaffen. In anderen Räumen kann es gut sein, mit großen Blattpflanzen die Luft schonend zu befeuchten. Diese Blattpflanzen sollten eine große Blattfläche haben und dürfen schon etwas größer sein. Ein Zimmerbrunnen oder Nebelgenerator für Zimmerbrunnen ist sicherlich eine der dekorativsten Lösungen zur Luftbefeuchtung. Hier kann ein Fachmann in einer Gärtnerei oder in anderen Fachbetrieben gute Ratschläge erteilen und im Falle für Zimmerbrunnen vielleicht sogar schöne Angebote unterbreiten.
Trotzdem muß man noch erklären, daß Citrus-Pflanzen in den Anbauländern auch unter sehr geringen Luftfeuchtigkeiten gehalten werden. Daher ist eine Befeuchtung der Pflanzen zwar empfehlenswert, aber nicht immer nötig.

Kommen wir nun zur Wasserqualität. Hier wird auch viel geschrieben und es geistern eine Menge an Gerüchten herum. Fakt ist: Kalk (Calciumionen und Magnesiumionen im Wasser werden im allgemeinen als Kalk beschrieben) hebt den pH-Wert im Boden. Aber alle Pflanzen brauchen Kalk, und sogar nicht wenig. Calcium ist ein wichtiger Baustoff im Zellensystem und ein Fehlen führt zu Blattverkrüppelungen, Magnesium ist elementarer Bestandteil der Chloroplasten und der Transportstoffe, ein Fehlen führt zu Blattaufhellungen (Chlorose) wie später noch zu lesen (siehe Düngen/Pflegefehler und Mangelsymptome). Hier tut es den Pflanzen nicht gut, nur vollentmineralisiertes Wasser zu verwenden. Oft reicht das im Leitungswasser enthalte Verhältnis von Calcium und Magnesium nicht aus, die Pflanzen ausreichend mit Calcium zu versorgen, und selbst bei sehr hartem Wasser (also über 20 ° dH) kann es passieren, daß nicht genügend Calcium zugeführt wird. Wie viel Calcium und Magnesium ihre Pflanze jedoch benötigt hängt vom Wachstum und dem Fruchtansatz ab. Hier sollten Sie mit Reagenzsubstanzen aus dem Fachhandel, oder mit Reagenzpapier aus der Apotheke den pH-Wert ihres Bodens immer mal wieder kontrollieren. Viele Düngerstoffe werden über das Gießwasser hinzugefügt und säuern durch ihren Nitrat und Phosphatanteil das Wasser an. Messen Sie doch einfach mal den pH-Wert ihrer Düngerlösung, Sie werden staunen. Trotzdem kann der Kalk im Wasser wichtige Nährstoffe binden, weshalb Sie bei empfindlichen Pflanzen weiches Wasser verwenden sollten. Regenwasser, gefiltert ist hervorragend geeignet. Es hat zumeist einen pH-Wert von 6,5 und einen Kalkwert von 0 bis max. 2°dH. Große Wassermengen lassen sich mit chemischen Zusatzstoffen entkalken, die im Fachhandel erhältlich sind. Dabei setzt sich der Kalk als trübe Substranz am Boden ab und wir weggeschüttet. 50 Gramm reinen Torf pro Liter Wasser in einem Stoffbeutel in den Behälter gehängt können ebenfalls den Kalk im Wasser binden. Geben Sie einfach die entsprechende Torfmenge nach ihrer Füllmenge in den Beutel.
Man muß aber trotzdem eine deutliche Warnung aussprechen: Bei dieser Kultur sinkt der Calciumanteil im Boden recht rasch und der pH-Wert des Substrates sinkt. Bei konstanter Gabe kalkarmen Wassers neigt die Pflanze zu schwächerem Wuchs, geringerer Blattmasse und reduzierten Fruchtansätzen. Hier muss man die Calciumversorgung durch regelmäßige Gartenkalkgaben sicher stellen und sollte regelmäßig den pH-Wert des Substrates ermitteln.
Manche säuern ihr Wasser auch mit Phosporsäure oder Schwefelsäure aus der Apotheke an, wer damit umgehen kann. Ich persönlich sehe darin ein zu großes Risiko. Dies reduziert nicht den Kalkgehalt des Wassers, es verändert bloß den pH-Wert in einen günstigen Bereich. Den pH-Wert kann man günstiger mit etwas Obstessig im Gießwasser senken. Allerdings sollte man dann den pH-Wert des Gießwassers mit einem Testbesteck überwachen. Es darf nicht unter pH 6,0 fallen, wenn man es ansäuert. Auch billige Ionenaustauscher entkalken das Wasser, aber dabei werden zuviel Natriumionen ins Wasser abgegeben, was zu anderen Schäden führen kann. Destiliertes Wasser, oder Kondenswasser aus dem Wäschetrockner ist ebenfalls gut geeignet, sollte allerdings mit etwas normalem Wasser verschnitten werden. Auch hier sollte man gegebenenfalls Kalkgaben mit Gartenkalk in Erwägung ziehen, um den Bedarf an Calcium zu decken. Mit einem kleinen Testbesteck (siehe Werkzeuge) kann man schnell und einfach Wasserhärte und pH-Wert bestimmen. Diese Testbestecke gibt es im Fachhandel für Aquarienzubehör. Auch Kochen kann die Härte von Wasser reduzieren, aber dabei wird nur die Karbonathärte ausgefällt, welche den weißen Kesselstein bildet. Der restliche Kalk passiert diese energieaufwendige Prozedur und dieser Kalk ist zumeist unverfügbar für die Pflanzen. Auch damit kann der Kalk nicht wirklich aus dem Wasser gebracht werden, als auch die Versorgung der Pflanzen mit Calcium in Frage gestellt werden. Sollte doch einmal etwas zuviel Kalk im Boden sein, hilft es etwas Schwefel aufzustreuen und einzuwässern. Vor allem in Zeiten wo nicht umgetopft werden sollte, ist diese Prozedur manchmal sehr sinnvoll. Ansonsten hilft es nur, die Pflanze umzutopfen und dann auf eine verminderte Kalkgabe und reduzierte pH-Werte zu achten.
Dies ist aber meist nicht nötig. Die Pflanzen nehmen genügend Kalk auf, so da in der Regel der pH-Wert sinkt, anstelle zu steigen. Falls die Pflanze doch empfindlich auf hohe pH-Werte reagiert und trotz antsprechender Dosierung und Einstellung des Gießwassers die Pflanze deutliche Symptome eine kalk-resultierenden Chlorose zeigt bei gleichzeitig hohen pH-Wertes das Substrates, hilft nur das Umtopfen. Erst dann ist eine regelmäßige Gießwasseraufbereitung angezeigt. Es lohnt sich daher, die Pflanze in eine Chlorose zu provozieren, denn dies ist einfacher zu beheben, als eine komplexe, wenn vielleicht unnötige Gießwasseeraufbereitung. Denn viele Pflanzen sind sehr tolerant und bekommen keine Chlorose, der Aufwand der Gießwasseraufbereitung ist dann absolut vergebens. Erst wenn man die Empfindlichkeit der Pflanze so ermittelt hat, gibt es einen wirklich triftigen Grund f̹r die komplizierte Gießwasserenthärtung.
Die Leute in den zuständigen Wasserwerken sind oft sehr hilfbereit und wissen, wo weiches Wasser zu holen ist, wann die beste Zeit dafür ist und wie hart das Wasser wirklich ist. Ein Anruf der sich lohnen kann. Trinkwasser ist das best-kontrollierte Lebensmittel in Deutschland, also auch für unsere Zimmerpflanzen eigentlich ideal, sofern der Kalkgehalt stimmt. Zumeist halten die Wasserwerke auch Listen vorrätig, wo die Zusammensetzung des Wassers aufgelistet ist, zumeist verglichen mit den gültigen Grenzwerten. Beeindruckend sind diese Listen und Informationen allemal, obwohl manchmal doch nur Regenwasser oder Enthärten bleibt. Aber auch bestimmte Quellen können eine gute Qualität bei niedrigen Kalkwerten liefern, hier hilft nur eins: Messen. Dazu wird allerdings ein Testbesteck benötigt (siehe weiter oben, oder Werkzeuge). Sollten Sie immer noch Fragen haben, wenden Sie sich doch einmal an Ihr Wasserversorgungsunternehmen mit der Bitte um Hilfe...
Verwendet man kalktolernate Veredelungsunterlagen so kann der pH-Wert des Substrates auch höher liegen und man kann auch Gedanken an eine Gießwasseraufbereitung gießen. Auch weniger tolerante Unterlagen können funktiononieren, daher sollte man einen Versuch mit Leitungswasser nicht scheuen, wenn man keine andere Wahl hat. Eine jährliche pH-Wertkontrolle des Boden pH-Wertes ist dabei zu empfehlen und ggf. sind die Pflanzen umzutopfen. In Abhängigkeit vom Bedarf der Pflanzen an Calcium und Magnesium ist mit nicht allzu engen Umtopfintervallen, die sich oft nur gering von den regelmäßigen Umtopfintervallen unterscheiden, zu rechnen. So kann auch mit einer scheinbar 'schlechten' Leitungswasserqualität gewässert werden kann.

 

 

Zurück zum Inhalt

Weiter zum nächsten Abschnitt