Pilzkrankheiten machen Citrus auch bei uns zu schaffen...

Krankheiten durch pilzliche Erreger zählen zu den häufigsten im gewerblichen Obstanbau. Selten werden Zierpflanzen davon Befallen. Auch Kübelpflanzen oder Pflanzen in geschlossenen Räumen, die geregelt und ausgewogen ernährt und gewässert werden haben zumeist keine Probleme mit den pilzlichen Krankheitskeimen. Ist die Pflanze jedoch geschwächt oder verletzt worden, so können Pilzsporen in das Gewebe eindringen und damit die Pflanze befallen. Es gibt wirklich eine Unmenge von Pilzkrankheiten, aber nur eine kleine Handvoll treten bei uns auf. Durch Obstbäume in der Nähe können aber auch andere Pilzkrankheiten übertragen werden. Dies ist zwar selten, aber durchaus möglich, weshalb ich hier kurz auf einige dieser Krankheiten eingegangen bin. Eines sei nochmals im Vorfeld gesagt: Konsultieren Sie besser einen Fachmann bevor Sie behandeln, damit wirklich eine präzise Bestimmung erfolgen kann. Sonst könnten Schäden an der Pflanze durch eine falsche Behandlung nicht auszuschließen sein.

Botrytis

Botrytis wird durch den Erreger Botrytis cinerea verursacht. Der Pilz befällt zumeist junge Triebteile, Fruchtansätze oder Jungpflanzen. Zunächst treten gelbe Flecken auf, die sich im Laufe des Entwicklungsstadiums zu braun-schwarzen Flecken ausdehnen. Später ist die gesamt Partie braun-schwarz gefärbt und es bilden sich kleine braun-graue Sporenrasen aus. Der Pilz dringt durch Wunden in das Gewebe ein, oder durch Frostschäden. Jedoch ist die häufigste Eintrittstelle die Blüte, welche selbst kaum Resistenz gegen den Pilzbefall aufweist. Der Pilz entwickelt sich am Besten in feuchten Klimagebieten durch Nebel, Dauerregen oder übermäßige Bewässerung, welche auch den Kronenbereich befeuchtet. Die Temperatur von 18°C scheint ebenfalls das Optimum für diesen Pilz darzustellen. Botrytis kann durch Sprühen mit Kupferfungiziden in den Plantagen kontrolliert werden, aber für den Kleinanwender empfiehlt es sich, die befallenen Zweige, Blüten oder Früchte zu entfernen und die Schnittstellen gut zu verschließen. Schnittwerkzeuge sollten danach gut desinfiziert werden.

Fusarium

Gelegentlich tritt Fusarium auch bei uns auf, doch Befall mit diesem Erreger ist eher selten. In den Gewächshausern von Gärtnereien ist jedoch Fusarium recht häufig anzutreffen und befällt vor allem Mex. Limetten. Die Blätter werden heller, fallen ab und die Zweigpartie stirbt ab. Oft kommt es zu einer Verfärbung der Astpartien. Zum Schluß stribt der Baum ab. Andere Citrusarten werden zwar befallen, sterben aber nur selten daran. Sie zeigen zwar die gleichen Symthome werden aber nur massiv im Wachstum gehemmt. Wider andere Citrusarten werden auch befallen, zeigen aber dann keine Befallsymthome und sterben auch nicht ab. Da Fusarium hauptsächlich durch Erde in Gewächshäusern übertragen wird, ist eine Sterilisierung der Erde zuvor ratsam um einen Befall vorzubeugen.

Mal Secco

Manchmal bei Importpflanzen aus Italien, vor allem Zitronen, oder in Plantagen im Mittelmeerraum tritt Mal Secco auf. In den Plantagen werden zumeist Zitronen und Zitronatzitronen befallen. Mal Secco ausgelöst durch Phoma tracheiphila heißt Dürre-Krankheit und beschreibt ganz gut die Symptome: Zunächst tritt in den befallenen Kronenpartien eine Chlorose der Blattadern auf, die zumeist sich von der Infektionsstelle her ausbreitet. die Blätter beginnen zu welken, vertrocknen und fallen ab. Befallene Zweige trocknen ein und die Rinde verfärbt sich silber-grau bis braun-schwarz. Die befallenen Äste vertrocknen und diese Vertrocknungserscheinung gab der Krankheit ihren Namen. Oft trockenen ganze Partien ein, bis oft zu größeren Verzweigungen. Ältere befallene Blätter und abgefallene Blätter zeigen ebenso wie die Xylemleiterbahnen unter der Rinde eine typische rötliche Einfärbung. In Plantagen werden zum Schutz der Pflanzen Kupfer-Fungizide angewendet, doch für den Kleinanwender empfiehlt es sich, trockene Zweige früh zu entfernen und bis in gesundes Holz zu schneiden, damit sich der Pilz nicht in der gesamten Pflanze ausbreitet. Die Verwendung von Wind-, Tropfwasser- und Hagelschutz zur Vermeidung von Schäden, durch welche der Pilz in gesundes Gewebe eindringen kann, kann ebenfalls gut als Vorbeugemaßnahme verwendet werden. Offene Wunden sind zu säubern und mit Wundverschluß zu versiegeln.

Melanose

Hauptsächlich an Früchten tritt Melanose durch Diaporthe citri auf und ist im Gewerblichen Anbau eine ernst zu nehmende Krankheit. Für den Kleinanwender ist dies eine Krankheit die eigentlich nur in der Nachbarschaft von befallenen Obstbäumen auftreten könnte, doch ist dies für eine gesunde Pflanze sehr selten. Melanose wird nur durch Regen im Stadium der frühen Fruchtstadien auf die Früchte übertragen, und in vegetative Triebteile nur wenn Wunden oder altes Holz als Infektionsstelle vorhanden sind. Als Sympthome ruft Melanose in Zellen der Subepidermis Ansammlungen von Gummisaft von rötlich-brauner Färbung hervor. Die Zellen sind abgestorben und füllen sich mit Saft. Es werden eine bis acht Zellen im Verbund befallen. Unter der befallenen Zellen bildet sich Wundperiderm und hebt so die toten Zellen als rölich-braune Flecken an und über die Gewebeoberfläche. Die Pusteln sind auf den Blättern zunächst von gelben Gewebe umgeben, später ergrünen die gelben Stellen wieder und die Pusteln bleiben als Verkorkte Knoten zurück. Mit dem Alter der Blätter sind die Befallsrate und die Größe der Pusteln, wobei ausgewachsene Blätter fast völlig immun sind. An Früchten tritt Melanose mit eben solchen Pusteln auf, wobei im frühen Fruchtstadium die Pusteln als eine Art schuppiger Korkschicht die ausgewachsene oder abgefallene Frucht ganz oder teilweise bedecken. Sind die Früchte schon älter als der Befall erfolgte so bilden sich auch hier kleine erhobene Pusteln von bräunlicher Färbung, die später verkorken. Da Melanose eigentlich nur in Plantagen auftritt, ergibt sich dort die Kontrolle durch vorbeugende Fungizidaplikationen. Der Kleinkultivator kann befallene Triebteile und Früchte eigentlich nur ausschneiden und die Wunden gut verschließen. Da Melanose von selbst ausheilt und keine bleibenden Schäden, die zum Baumsterben führt hinterläßt ist eine vorbeugende Maßnahme für den Kleinkultivator unnötig, weil eben Befall nur wirklich selten auftritt.

Phytophthora Infektionsstellen am Stamm einer Zitrone

Phytophthora spp.

Die wohl gefürchtetste Pilzkrankheit in Anzuchtbetrieben, aber auch generell im Anbau sind Schäden durch Phytophthora. Phytophthora hat eine Unmenge von Erregern weshalb ich hier als Erreger Phytophthora spp. aufführen möchte. Die häufige Umfallkrankheit von Sämlingen, Schwarzbeinigkeit und späteres Sproßachsensterben wird durch Phytophthora verursacht. Bei älteren Pflanzen ruft der Pilz Stammgrundfäule und Wurzelfäule hervor. Oberhalb der Erde befindliche, trockene Pflanzenteile werden ganz selten befallen. Die Infektion erfolgt durch Schäden in der Rinde. Der Pilz befällt die kambialen Schichten unter der Rinde und zerstört diese. Dabei werden zusätzlich die Leitungsbahnen zerstört was einen Stop des Nährstofftransportes in die Krone zur Folge hat. Dadurch bleichen die Blattadern aus, das Blatt wird heller und es kann Blattfall folgen. Gleichzeitig erfolgt aus dem geschädigten Gewebe verstärkter Gummi austritt. Der Gummisaft von Citrus ist allerdings Wasserlöslich und verliert sich durch Bewässerung und Regen. Die Rinde platzt ab und darunter ist die verheilte Krankheitsstelle mit Kallus überwachsen. An befallenen Stellen bilden sich vermehrt Risse und abgestorbene Rinde wird abgestoßen. Größere Schäden können heftiges Absterben ganzer Astpartien hervorrufen und Neuaustrieb ist stark verzögert. Oft ist der Wurzelhals unter der Erdlinie stark beschädigt und die Symptome in der Krone erfolgen ohne zunächst sichtbare Schäden.

Phytophthora Wurzelfäule an Citrus

Wurzelschaden läßt die Wurzeln dunkel werden und das Außengewebe löst sich von der Wurzelseele. Die Wurzeln sehen fadenartig aus und das weitere Wurzelwachstum bleibt sehr oft zurück. Phytophthora kann nur durch tolerante Unterlagen, höhere Veredelung und Schutzmaßnahmen kontrolliert werden. Hat der Pilz die Pflanze befallen, so hilft meist nur das Ausschneiden der befallenen Partien bis in den Holzteil und das Behandeln mit einem Kupferfungizid um eine Reinfektion der Schnittstelle zu verhindern. Oftmals genügt es auch völlig das befallene Gewebe mit einem sterilen Messer zu entfernen. Vorbeugend sollte die Pflanze trockener gehalten werden, ein besser drainagiertes Substrat sollte eingesetzt werden und Feuchte sollte von Stamm und Stammgrund ferngehalten werden. Aussaatsubstrate sollten vor der Aussaat sterilisiert werden. Gegen Phytophthora sehr anfällig sind folgende Pflanzen: Zitronenstecklinge, Stecklinge von Apfelsine, Stecklinge von Lemandarin 'Otaheite' und Stecklinge von Calamondin.

Rußtau

Rußtau gehört den Pilzen, die jeder von uns schon einmal an schlecht gepflegten Pflanzen gesehen hat. Leider kann er auch bei uns auftreten. Als Erreger tritt Capnodium citrin am häufigsten an Citruspflanzen auf. Rußtau wächst auf den Pflanzengeweben, ohne in das Gewebe einzudringen. Durch seine dunkle Farbe vermindert der Pilz allerdingst die Assimilisation von Nährstoffen, was chlorotische Blattferfärbungen als Folge hat. Rußtau legt sich als dunkler Belag auf die Ausscheidungen von Schädlingen ab und kann leicht mit einem feuchten Tuch abgewischt werden. Die Bekämpfung von Rußtau wird durch Beseitigung der Schädlinge, auf deren Ausscheidungen der Pilz wächst, vorgenommen.

Sämlingssterben

Durch verschieden Pilzkrankheiten werden oft Sämlinge kurz nach dem Keimen geschädigt und sterben ab. Diese Krankheiten werden durch die Erreger von Phytophthora ssp., Rhizoctonia solani und Phytium ssp. verursacht. Die Sämlinge keimen nur schlecht, fallen um oder sterben an einer schwarz-brauen Verfärbung der Sproßachse, wovon sie sich selten nur erholen. Hier hilft nur Vorbeugen durch Verwendung von sterilen Pflanzsubstraten und Vermeidung von Dünge- oder Gießwasserschäden.

Schorf

Schorf ist an Citrus sehr selten, doch wenn eine Sporenquelle vorhanden ist, kann ein Befall erfolgen. Schorf kann nur bei durchgehender Nässe in gesundes Gewebe eindringen. Der Befall mit Schorf läßt auch dem befallenen Gewebe rötliche Pusteln entstehen, die bei Blättern auf Ober und Unterseite auftreten. Das Blatt ist leicht verkrüppelt. Bei Früchten ist es ebenso, doch die Pusteln haben zumeist keinen Einfluß aus die interne Qualität, außer bei sehr empfindlichen Arten wie Zitrone oder Limette. In den kommerziellen Plantagen wird vorbeugend ein Kupfer-Fungizid ausgebracht, doch für den Kleinkultivator ist es besser, die günstigen Umstände zur Pilzkultur von Schorf zu vermeiden. Also Dauerfeuchte auf Blättern und Früchten zu vermeiden und befallenes Gewebe sofort mit sterilen Werkzeugen zu entfernen.

 

Leucoccos birnbaumii, Fruchtkörper am Stamm
einer Clementine, Citrus clementina
Leucoccos birnbaumii, Fruchtkörper mit
Mycelresten, aus Substrat genommen

Bodenpilze

Im Grunde sind Bodenpilze für Citruspflanzen nicht schädlich. Citrus lebt z.B. mit Pilzen der Spezies Glomus in Symbiose. Aber durch neue, zum Teil Torflose Substrate gelangen auch Pilze in die Kübel, die zu Problemen werden können. Der im bild gezeigte Pilz mit dem latainischen Namen Leucocoprinus birnbaumii ist ab und an in Rindenschrothaltigen Kultursubstraten zu finden. Er zeigt sich zunächst nur durch gelbe 1-2 mm große Kügelchen und ein weiß-gelbliches, fadenförmiges Mycel. Später erscheinen die gelben Fruchtkörper, die selten großer als 5 cm im Schirmdurchmesser werden. Eigentlich ist er nicht für die Citruspflanze schädlich, aber ab und an kam es aufgrund massiver Pilzmycelwucherungen schon dazu, daß die Kultursubstrate kein Wasser mehr speichern konten, wie auch keine Nährstoffabgebe mehr an die Wurzeln der Citruspflanzen möglich war. Der Pilz vermehrt sich rasend schnell in alternativen Tonsubstraten und führte dabei insbeondere an Citrus aurantium oder darauf veredelten Pflanzen zu Wachstumsnekrosen und gelben Blattadern. Ein Umtopfen brachte weder in Erdkultur noch in Seramis dauerhafte Abhilfe, da der Pilz scheinbar an minimalen Erdresten verbleibt und so ins neue Substrat mitumzog. Erst nachdem der Pilz mittels eines Fungizides beseitigt worden war, normalisierten sich Wuchs und Blattfärbung wieder.
Es ist also im Einzelfall anhand der Symptome abzusehen, ob man den Pilz entfernen muß, oder ob mal sein Leben im gleichen Topf mit der Citruspflanze tolerieren kann.

Es gibt natürlich noch viele weitere Pilzkrankheiten, doch diese sind noch seltener als oben genannt, oder befallen nur wenige Arten. Sollten tiefere Informationen nötig werden, so stehen bestimmt einige Fachleute zur Verfügung, die aufkommende Fragen gern beantworten oder es empfiehlt sich das Studieren von Fachliteratur, die im Anhang ausgewiesen ist. Viele vermeintliche Krankheiten sind oft nur Pflegefehler und bedürfen nur einer Veränderung in der Kultur als wirklich eine Behandlung. Die meisten Pilzkrankheiten treten sowieso nur in Großplantagen auf, so daß Leser mit ihren Pflanze, die zumeist zusätzlich besser gepflegt werden, eigentlich gar nicht an Pilzkrankheiten leiden. Daher ist dieser Abschnitt wohl eher rein informativ anzusehen, als eine wirkliche Diagnosehilfe oder zur Bestimmung eines Schadpilzes. Für solche Dinge müssen Laborproben eingeholt werden und ein Behandlungsprogramm aufgestellt werden, wobei es oft günstiger ist eine befallene Pflanze zu verbrennen und eine neue zu beschaffen, als eine kostenintensive Behandlung durchzuführen. Ausnahmen bilden hier vielleicht nur einige wenige uralte Citrusbäume, deren Verlust historischen Schaden darstellen würde.

In der Wiki-Sicherung des Citrus Online Forums Limette Online findet man eine Aufzeichnung einiger Pflanzenschutzmittel, die bei pilzlichen Erregern zum Einsatz kommen.

 

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