Vermehrung aus Samen

Im kommerziellen Anbau wird die Vermehrung von Citrus-Pflanzen durch Aussaat hauptsächlich nur noch zur Anzucht von Veredelungsunterlagen angewandt. Citrussämlinge haben eine sehr lange Jugendphase, so heißt der Abschnitt bis zur ersten Blüte, in der die Pflanze stark aufschießenden Wuchs, kräftige Bedornung und wenig Seitentriebe zeigt. Diese unproduktive Phase ist für den Plantagenanbau ungeeignet und man versucht diese Phase möglichs kurz zu halten. Bei der Veredelung werden diese Zeiten vom Samen bis zur Frucht in Bereichen von 3 Jahren gehalten, was für den kommerziellen Bedarf erträglich ist, allerdings sind kürzere Zeiten durchaus erwünscht. Dennoch gibt es einige Arten bzw. Sorten die immer noch, auch kommerziell aus Samen vermehrt werden. Limetten zum Beispiel: Sie benötigen aus Samen gezogen zumeist nur ein bis zwei Jahre bis zur ersten Blüte und haben den Vorteil, daß bei einem Frostschäden neue Triebe aus dem Wurzelstock entstehen können. Auch wenige Tangelo-Sorten und Mandarinensorten haben sich als Sämlige durchaus als brauchbar erwiesen, da sie nur etwa ein Jahr später Früchte erbringen als gleichwertige Veredelungen. Durch das Auftreten neuer Krankheiten, Unverträglichkeiten mit den häufigen Unterlagen und anderen Problemen wird heute wieder der Gebrauch von Sämlingspflanzen für den kommerziellen Bereich erprobt. Bei der Anzucht aus Samen ist es sehr schwer, wirklich Pflanzen mit den gleichen Erbgut wie das der Mutterpflanze zu erhalten. Durch sorgfältige Samenauswahl, Handbestäubung und andere Methoden werden Samen erzeugt, die das Erbgut der Mutterpflanze enthalten. Diese Samen stellen dann die Quelle für einen zukünftigen Sämlingsbaum dar.

Folgendes Verfahren ist für den kommerziellen Anbau und für den Heimanwender ein bewährtes Rezept und gilt für Sortensamen ebenso wie für Samen die zur Anzucht von Citrus-Unterlagen Verwendung finden sollen.

Entnahme, Reinigung und Lagerung der Samen

Die Frucht sollte unbeschädigt sein und der Samen sollte keinen Kontakt mit anderen Medien erhalten haben, als mit dem Fruchtfleisch. Nach Möglichkeit wird nur die Schale mit einem Messer durchtrennt und die beiden Fruchthälften werden durch verdrehen getrennt. Durch vorsichtiges Auspressen der Fruchtsegmente werden die Samen aussortiert. Die Samen werden kräftig mit Wasser gereinigt und von Fruchtsaft- und Fruchtfleischresten befreit. Dazu kann leichtes Bürsten nötig sein. Danach kommen die Samen kurz in ein Heißwasserbad (52¡C für etwa 8-10 Min.) um entwaige Krankheitserreger abzutöten. Die Samen werden vorgetrocknet, bei kleinen Mengen mit einem Tuch abgewischt und so für die Lagerung vorbereitet. Eingelagert in Holzkohlemehl oder ein Fungizidpulver werden die Samen anschließend fertig getrockenet. Sie werden dunkel, trocken und kühl gelagert. Die maximalen Lagerzeiten sind von Sorte zu Sorte verschieden, aber etwa 3 Monate halten die meisten Sorten ihre Keimfähigkeit aufrecht. Im Plantagenanbau werden nach dieser Zeit immer wieder Keimproben vorgenommen, um die Lagerzeit und die Saatgutqualität zu prüfen. Dies kann für den Heimanwender, oder wenn nur wenige Samen zur Verfügung stehen entfallen. Eine Lagerung von über 3 Monaten sollte jedoch vermieden werden, weil die Keimfähig proportional zur Lagerzeit abnimmt.

SŠmlinge zur Anzucht im GewŠchshaus, Florida/USA

Anzucht von Pflanzen aus Samen

Die Samen werden entweder aus einer Samenbank, der Lagerung oder frisch aus der Frucht entnommen. Sie werden grob gereinigt und in einem geeigneten Gefäß in lauwarmen Wasser zum Quellen abgestellt. Der Quellprozeß ist abgeschlossen, wenn der Samen entweder zu Boden gesunken ist und/oder aber die Samenhülle leicht durchsichtig geworden ist. Dies kann zum Teil 6-8 Stunden dauern, je nach Lagerzeit und Trockenheit des Samens. Dann wird ein gut durchfeuchtetes, steriles Anzuchtssubstrat gepflanzt. Der Samen sollte nur so tief in die Erde kommen, wie er doppelt dick ist. Hier sind Vorschläge für Ansuchtssubstrate:

-Kokosflockenerde, mit sehr niedrigem Salzgehalt

-Sand mit einer Körnung zwischen 0,2 und 0,6 mm

-spezielle, aber oft teure, Anzuchtserden aus dem Handel

-alternative Tongranulate (nicht für Hydrokultur)

Alle Mischungen aus oben genannten Substraten eigenen sich ebenfalls, doch ausser bei gekauften Substraten sollte eine Sterilisierung vorgenommen werden. Es genügt oft, das fertige Substrat zum Durchfeuchten mit kochendem Wasser zu durchtränken, kleine Mengen können unter entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen auch in der Mikrowelle (siehe Boden) keimfrei gemacht werden. Das gut feuchte, aber nicht nasse Substrat wird in ein geeignetes Gefäß gefüllt, der Samen in vorbereitete Löcher gegeben und mit Substrat bedeckt. Zur Keimung ist kein Licht nötig, aber eine Bodenwärme von 22-25¡C ist der Keimung am Dienlichsten. Das Substrat muß immer feucht bleiben, so bietet es sich an, eine Abdeckung über einen geschlossenen Topf zu geben, damit die Feuchte nicht ohne weiteres verdunsten kann. Diese Abdeckung muß aber sofort nach der ersten Keimung entfernt werden, oder der Luftaustausch muß durch entsprechende Löcher in der Abdeckung gefördert werden. Ein Kleingewächshaus mit Bodenheizung oder auf einem Brett auf eine warme Fensterbank oder über dem Heizkörper aufgestellt ist der ideale Standort. Einige Samen, wie z.B. die von Poncirus trifoliata, sollten vor der Keimung stratifiziert werden. Dazu werden solche Samen mit feuchtem Sand vermischt, so daß sie komplet bedeckt sind und in ein verschließbares Glas gefüllt. Dieses Glas kommt für etwa 3 bis 6 Tage in den Kühlschrank in das Gemüsefach. Vorsicht, neue Kühlschränke haben dort Temperaturen von nahe dem Gefrierpunkt. In solchen Kühlschränken das Glas lieber oberhalb des Gemüsefaches aufbewahren. Die Samen werden nach Verstreichen der Wartezeit aus dem Glas entnommen vom Sand getrennt und gepflanzt. Die Kühle sollte die Keimruhe gebrochen haben. Samen von Poncirus trifoliata können aber auch in einem kühlen Zimmer im Herbst schon in einem entsprechenden Anzuchtsgefäß gepflanzt werden. Sie keimen dann sehr willig im nächsten Frühjahr. Wenn die Keimlinge etwa 5 cm hoch gewachsen sind, sollte pikiert werden. Die Sämlinge werden mit einer kleinen Schaufel oder einem alten Löffel aus dem Substrat genommen und in größere Töpfe gruppiert oder einzeln in kleinere Töpfe gesetzt. Gut mit fertigen Citrus-Substraten auffüllen und leicht andrücken. (Substrate siehe Boden) Warm und hell aufstellen, Boden gleichmäßig feucht halten und nur ganz schwach einmal im Monat düngen. Erst ab Größen von 30 cm normale Düngung langsam einführen. Weitere Maßnahemn zur Kultur sind in den anderen Teilen des Buches beschrieben, Sämlinge die zum Veredeln vorgesehen sind, sollten zumindest Bleistiftdicke erreicht haben (siehe Veredeln).

Blühender Rangpur Sämling

Tja, vielleicht zum Schluß ein kleines Erlebnis: Zur Anzucht von Veredelungsunterlagen entnehme ich regelmäßig Samen aus meinen Früchten. So waren es Samen von Citrus aurantium, Citrus limon, Citrus volkameriana und Citrus limonia. Bei meiner Kultur dauert es rund 2 Jahre, bis die Pflanzen zum Veredeln eine Vernünftige Stärke erreicht haben, also etwas über Bleistiftdicke haben.
So war es nun, nach ungefähr 2 einhalb Jahren für mich ein Erlebnis, als ich Blüten an einem der Sämlinge entdeckte. Die Citrus limonia - Rangpur - blühte. Nicht bloß an einem Stück, sondern jeder Neutrieb zeigte Blütenbildung. Oben habe ich daher eine der Blüten noch geschloßen fotographiert.
Für mich klärt sich daher die Antwort auf die Frage "Wie lange braucht ein Sämling bis zur ersten Blüte?" mit der Antwort: "Im Falle einer Citrus limonia Rangpur dauert es wohl keine 4 Jahre, bis der Sämling blüht!".
Auch eine weitere Frage, die ich mir gestellt hatte, warum so viele Kumquat Unterlagen auf Citrus limonia, wo das Edelreis abgestroben war, so rasch zu Selbstblüte kamen, ist damit geklärt: Wenn der Sämling schon nach 3 Jahren knapp blüht, dann ist es bei den Veredelungsunterlagen wenn diese durchtreiben nicht länger zu erwarten.

 

 

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