Schädlinge an Citruspflanzen

Schädlinge befallen und schädigen zumeist nur geschwächte oder durch Pflegefehler vorbelastete Pflanzen. Ausreichende Ernährung und Bewässerung, genügend Licht und gute Temperaturen lassen alle Pflanzen eine relativ gute Resistenz gegen Schädlinge aufbauen. Im Freiland halten dann zusätzlich noch natürliche Feinde der Schädlinge die Schädlingspopulationen in Grenzen. Auch in geschlossenen Räumen, wie Wintergärten, Glashäusern oder im Zimmer lassen sich sehr gut Nützlinge einsetzen. Diese wirken direkt gegen die Schädlinge vermehren sich und steigern so ihre Wirksamkeit von selbst. Auch hinterlassen sie keine schädlichen Rückstände. Oftmals geht es jedoch nicht ohne den Einsatz von chemischen Mitteln. Dann lassen Sie sich von einem Fachmann beraten, schließlich wollen Sie die Früchte auch verzehren. Greifen Sie nicht ohne Beratung zum erst besten Mittel. Citrus ist ein Obstbaum und wie einheimische Obstbäume sind die Früchte möglichst für den Frischverzehr zu verwerten. Dies muß beachtet werden, bevor chemische Mittel eingesetzt werden sollten. Hier hilft der Fachmann. Eine generelle Wartezeit von 4 Wochen nach der letzten Behandlung mit chemischen Pflanzenschutzmitteln sollte jedoch immer eingehalten werden und eine solche Warteziet ist in einigen Anbauländern im kommerziellen Anbau sogar vorgeschrieben. Beachten Sie auch: Viele chemische Mittel sind in hohen Konzentrationen auch für Säugetiere nicht ungefährlich und der Mensch ist ein Säugetier. Also beachten Sie die Schutzbestimmungen im Umgang mit diesen Mitteln. Schützen Sie Augen und Hände vor Kontakt mit den Mitteln, atmen Sie die Dämpfe oder Sprühlösungen nicht ein und wenn Sie in geschlossenen Räumen gearbeitet haben, lüften Sie gründlich. Schließlich soll das Mittel gegen die Schädlinge wirken und nicht gegen Sie selbst. Auch in diesen Fällen steht natürlich der Fachmann mit fachkundiger Hilfe zur Stelle. Beachten Sie seine Ratschläge zu Ihrem eigenen Schutz. Doch Zurück zu den Schädlingen. Ich habe nur oberflächliche Schädlinge aufgeführt, da Schädlinge im Boden nur selten wirksam bekämpft werden können. Sollte doch Ungewissheit darüber herrschen, können Sie natürlich zunächst den Wurzelballen untersuchen. Finden Sie nichts Absonderliches, hat das Schadbild vielleicht andere Ursachen. Kleine Maden, Würmer oder andere Tierchen in der Erde sollten entfernt werden, oder es muß umgetopft werden. Schädlinge die an oberirdischen Teilen Schäden hervorrufen, sind oftmals nur schwer zu erkennen. Sie sind klein, oft tarnfarben oder anderweitig nicht zu erkennen. Eine Lupe kann helfen, die schwierig zu entdeckenden Schädling zu enttarnen. Oft genügt es aber auch, die Schadbilder zu kennen. Auch weiterführende Literatur kann mit besseren Abbildungen helfen, oder genauere Analysen bieten.

Blattläuse

Blattläuse an einer Citrus-Blüte
Blattläuse an einem jungen Trieb und der Blüte von Citrus limonia´Rangpur´

Die wohl bekanntesten Schädlinge sind Blattläuse. Sie befallen an Citruspflanzen häufig die jungen, zarten Triebe. Durch ihre saugende Aktivität sorgen sie für verkrüppeltes Wachstum der Blätter, die sich nach unten einwärts rollen und zumeist vorzeitig absterben. Die meist schwarzen kleinen Insekten sind wie schwarze Flecken zumeist rund um die Knospe und Sproßachse ansäßig. Einige Arten sind gelblich grün, grün, oder braun gefärbt, aber die Schäden sind zur schwarzen Blattlaus identlisch. Oft zieht ein Befall auch Ameisen nach, die Honigtau, die Ausscheidungen der Blattläuse, als Nahrung aufnehmen. Blattläuse gelten als Überträger für eine Vielzahl von Viren, die gerade in Citrusanbauländern zu massiven Baumverlusten durch diese Viren geführt haben. Ihre klebrigen Ausscheidungen sind idealer Nährboden für Pilz, wie Rußtau, der bei großem Befall ganze Blätter überziehen kann. Durch ihr zahlreiches Auftreen haben Blattläuse eine Vielzahl natürlicher Feinde, wie Marienkäfer, Florfliegen und zum Teil auch Vögel. Diese halten die Läuse in Populationsgrenzen, doch oft ist der Befall für eine zierende Citruspflanze zu hoch. Hier müssen künstlich Nützlinge ausgebracht werden, oder aber es wird mit einer Seifenlösung gesprüht, der etwas Essig und Zitronensaft zugesetzt wurde. Dies macht zumeist den 'Saugern' den Garaus. Der Fachhandel hat fertige Lösungen vorrätig, ebenso wie eine Unmenge an chemischen 'Kampfstoffen'.

Schildläuse

Die wohl am schwierigsten zu bekämpfenden Schädlinge sind wohl die Schild-, Woll- und Schmierläuse. Oft ist ihnen mit normalen Spritzmitteln nicht bei zu kommen. Gerade Schildläuse sind sehr hartnäckig und oft noch gut getarnt. Die im Jungstadium beweglichen Schildläuse sind zumeist gelblich grün gefärbt und so an grünen Pflanzenteilen oft nicht zu erkennen. Unter ihrem Deckelschild, welches fast luftdicht gegen das Pflanzengewebe gepresst ist, sind sie vor Feinden gut geschützt. Erwachsene Exemplare haben einen größeren Schild und sind braun bis braun-schwarz gefärbt. Besondersgroße Muttertiere bilden oft eine klaren Hügel, weil unter ihrem Schild Eier und Jungtiere lagern. Manchmal sind die Tiere nur durch ihre Honigtauspritzer auf den Blättern zu erkennen, oder durch die dunkeln Rußtaupilze die darauf wachsen. Dann jedoch muß die Pflanze gründlich untersucht werden. Die Tiere sitzen entlang der Sproßachsen, an Blattstielen, in Blattachsen und entlang der Blattadern, wo sie sich dicht an das Gewebe geschmiegt haben. Kleinere Befallsmengen können mit einem Wattebausch und Spiritus abgewischt werden, Bei größeren Mengen helfen Nützlinge, wie Schlupfwespen und bestimmte Marienkäferarten sehr gut. Eine Seifen-Spiritus-Lösung kann ebenfalls helfen. Ölspray werden oft empfohlen, doch werden diese in zu hohen Konzentrationen angewandt, verkleben die Spaltöffnungen der Citruspflanzen und es folgt Blattfall. Ölhaltige Sprühmittel sollten eher im Freiland angewandt werden, wo die Witterung den Belag mitsamt Schädlingen von den Triebteilen abwäscht. Sollte Chemie zum Einsatz kommen, so helfen eigentlich nur systemische Insektizide. Auch hier hat der Fachhandel entsprechende Präparate im Angebot.

Woll- und Schmierläuse

Die Wollige Sackschildlaus, ein bekannter Schädling
Die wollige Sackschildlaus wird meist aus mediterranen Länder eingeschleppt

sind ungefähr ebenso wie Schildläuse doch besser an ihrem Wolligen Belag oder Deckel zu erkennen. Sie lassen sich oft durch besprühen mit normlen Seifen-Essig-Zitronensaft-Lösungen vertreiben, doch auch eine Vielzahl von Nützlingen nimmt mit diesen Schädlingen gern Vorlieb, z.B. australische Marienkäfer und Schlupfwespen.
Die wollige Sackschildlaus wird zumeist aus den Ursprungsländern eingeschleppt, kann aber rasch einen großen Befall ausmachen. Sie läßt sich sehr gut mit einer Schmierseifen-Spiritus-Lösung bekämpfen, wie auch die anderen Woll- und Schmierläuse.

Thripse oder Fransenflügler

Die Blätter wirken silbrig, sind mit einer Vielzahl von grauen Pünktchen bedeckt und einzelne schwarze Flecken sind zu erkennen. Mit bloßem Auge nur schwer mit der Lupe aber ganz gut, kann man einzelne federförmige leere Chitinhüllen und erwachsene Insekten erkennen. Die Tiere haben ein schwarzes Kopf-Bruststück und einen brauen, schwarzgefleckten Hinterleib. Sie stechen die einzelenen Gewebezellen an und saugen diese aus. Die leeren Zellen wirken dann durchscheinend silbrig. Auch gegen Thripse gibt es Nützlinge wie Florfliegen und einige andere parasitäre Schlupfwespen. Doch auch mit der üblichen Seifenlösung ist diesen Plagegeistern gut beizukommen. Auch für diese Insekten hat der Handel entsprechende chemische Waffen im Regal.

Weiße Fliege

Diese kleinen weißen mottenartigen Insekten sitzen zumeist unter den Blättern und fliegen auf, wenn die Pflanze berührt wird. Die Bläter sind zunächst mit gelben Flecken übersät, dann werden die Flecken größer und das Blatt vertrockenet anschließend. Weiße Fliege ist an Citrus zum Glück nicht häufig, und kann leicht mit gelben Klebetafeln abgefangen werden. Nützlinge gegen weiße Fliege sind Schlupfwespen. Chemische Waffen sind Seifenlösungen und natürlich besondere Produkte der Industrie im Fachhandel.

Spinnmilben

Schäden durch Spinnmilben an einer Mandarine Gespinste an Blättern einer Zitrone
Typisches Schadbild durch Spinnmilben an einer Mandarine Typische Gespinnste an der Blattachsel einer Zitrone

Das Schadbild der Spinnmilben ist jederman bekannt. Enge Gespinste aus silber-weißen Fäden überziehen die Pflanze oder Teile ganz dicht. Darunter liegende Blätter sind gelblich oder schon vertrocknet. Mit einer Lupe sind kleine rote oder braune Spinnchen zu erkennen. Spinnmilben sind sehr schwer zu bekämpfen, aber die als Nützlinge im Handel erhältlichen Raubmilben stellen eine sehr gute Waffe dar. Allerdings sollte der Einsatz schnell erfolgen, da Spinnmilben sehr schnell einen Baum übermäßig schädigen können. Gegen Spinnmilben helfen oft auch Schwefelpräparate, die jedoch das geschädigte Gewebe zusätzlich empfindlich schädigen können. Im Handel erhältliche Kontaktinsektizide und systemische Insektizide sind eine effektive chemische Einsatzwaffe gegen diese 'Spinner' und helfen oft schnell und kurzfristig. Da jedoch oft aus unbeschädigten Eiern neue Spinnmilben schlüpfen muß eine Behandlung natürlich wiederholt erfolgen, aber dies ist zumeist auf der Packung vermerkt.

Miniermotten

Frassgänge der Citrus Minier Motte
Fraßgänge der Larven der Citrus Minier Motte

Miniermotten legen ihre Eier in das Blattgewebe. Die Larven bohren im Blattgänge (Minien) und sind mit herkömmlichen Mitteln kaum zu treffen. Die Gänge sind als helle Linien und gewundener Form an den Blättern zu erkennen und im Gegenlicht ist manchmal die Larve zu sehen. Diese kann bei geringem Befall zerdrückt werden, doch in schlimmen Fällen helfen nur bestimmte Schlupfwespen oder systemische Insektizide.
Bei unseren Kübelpflanzen ist meist bloß das Zerdrrücken notwendig, da der Befall selten so stark ist, als daß einen Einsatz von Pestiziden rechtfertig.

<grüne Heuschrecke auf Citrus-Blatt
Grüne Heuschrecke auf Citrus-Blatt

Inzwischen kommen immer wieder Heuschrecken auf Citrus Blättern vor, die dann die Blätter abfressen. Dabei entstehen halbrunde Fraßstellen. Da diese Schädlinge recht groß sind, sollte man hier keine Pestizide einsetzen, auch wenn es dafür im Handel Produkte und Wirkstoffe gibt. Absammeln der Tiere ist ein sehr wirksames Mittel, da meist nur zwei drei Tiere pro Pflanze zu finden sind.
Dies sind die Hauptzahl aller Insekten, die oberirdische Schäden hervorrufen. Andere Schädlinge im Kübel oder Erdboden können mit Gießinsektiziden bekämpft werden, oder durch parasitäre Kleinstorganismen wie Pilze, Viren, Bakterien oder Nematoden. Hier hat der Fachmann für Pflanzenschutz die nötigen Informationen zum aktuellen Marktstand zur Hand. Noch eins: Viele Insektizide sind Kontaktmittel, d.h. das Mittel muß den Schädling direkt treffen um zu wirken. Beim Einsatz von Chemie müssen Sie dies bedenken. Nur systemische Insektizide dringen in die Pflanze ein und wirken so über das gesamte Pflanzengewebe. Im Fachhandel bekommen sie auch die Nützlinge, doch wundern Sie sich nicht, wenn Sie zu Hause feststellen, daß es nur ein Gutschein ist. Dies ist gängie Praxis. Sie füllen zu Hause den Gutschein aus und schicken diesen an den Nützlingsversender. Dieser wird die Nützlinge aufgrund ihres Gutscheines direkt nach Hause zu schicken, sofern keine widrigen Witterungsumstände dies verzögern. Den starker Frost kann die Nützlingspopulation schnell schwer dezimieren und sie wäre damit dem Schädlingsbefall nicht mehr gewachsen. Der Fachmann kann Ihnen aber sicher mit entsprechender Beratung aktiv zur Seite stehen.

In der Wiki-Sicherung des Limette Online Forums findet man eine recht aktuelle Liste von Pestiziden und anderen Pflanzenschutzmitteln, die als Hilfe dienen sollen.

Als Rezept zum Selbermischen für eine Schmierseifenlösung, die als 'erste Hilfe' sehr gut auch in regelmäßig angewendet werden kann, sei vielleicht Folgendes ein Grundrezept:
15-30 g Schmierseife (Kali-Seife, oft als grüne Seife in Drogerien erhältlich!) in einem Liter heissem Wasser auflösen, unverdünnt gegen Blattläuse, oder mit einem Zusatz von 10-30 ml Spiritus pro Liter Schmierseifenlösung gegen Schildläuse, Woll- und Schmierläuse
Diese Lösung kann man auch anstelle mit Spiritus mit 15 ml Essig und 15 ml Zitronensaft ansetzen und spritzen.
 
Schmierseifenlösung nach Schmid und Henggeler (1989) für kommerzielle Bedürfnisse:
1.) 40 g Schmierseife mit einem Achtel Liter Petrol (Petroleum oder entsprechendes, gleichwertiges Mineral- oder Naturöl) gut vermischen, die Lösung sollte eine milchige Farbe haben. 25 Liter kaltes Wasser zugeben, gut mischen und vor Frucht- und Blütenbildung gegen Blattläuse und Spinnmilben unverdünnt spritzen.
2.) 100 vis 300 g Schmierseife, 500 ml Liter Spiritus, ein Esslöffel staubfeiner Kalk, ein Esslöffel Salz und 10 Liter Wasser gut vermischen, bei starkem Befall unverdünnt auch die Pflanze spitzen, wirkt gegen , Spinnmilben, Schild-, Woll- und Schmierläuse. Auch Thrips und Weiße Fliegen sollen erfasst werden.

 

 

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