Rundgang durch die Mühle St. Johann

Der virtuelle Rundgang führt uns durch die Getreidemühle in Sankt Johann bei Siegsdorf im Chiemgau.
Diese Mühle wurde ausgeählt, weil sie eine der wenigen, produzierenden Handwerksmühlen ist, die in der Regel, ebenso wie die alten Getreidemühlen der Dörfer und Höfe nahezu ausgestorben sind.
Die Mühle St. Johann hingegen ist voll in Betrieb, biologisch erzeugtes Getreide aus der Region wird hier einst für regionale Abnehmer vermahlen, wobei Müllermeister Salzeder auch einige überregionale Abnehmer gewinnen konnte. Viele dieser Mühlen mßten den Betrieb einstellen, wie bei der Kumpfmühle in Prien am Chiemsee. Hier ließ sich die Leistung nicht steigern, die Mühle konnte mit den wachsenden Leistungsanforderungen nicht mithalten und stellte den Betrieb ein.
An der Mühle St. Johann ist zum Glück dies nicht passiert, so blieb die Vermahlungstechnik vollständig erhalten und konnte sogar in Betrieb vorgefunden werden. Dabei wurde die Zentraltransmission zum Teil lahmgelegt und die Transmissionen durch elektrische Einzelantriebe ersetzt. Alle Maschinen sind trotz des oft deutlichen Alters tip-top gepflegt.
Die Mühle St. Johann ist eine 20 Tonnen Mühle, sie ist also in der Lage an einem Tag eine Leistung von 20 Tonne Getreide zu verarbeiten. Dies lag nicht nur an der hochwertigen und recht umfangreichen Ausstattung der Mühle, sondern eher an der Möglichkeit die zur Verfügung stehende Wasserkraft ausreichend zu nutzen.
So zeigt sich hier, das sich Mühlen im Laufe des Bestehens oft weiter entwickeln mußten und Erweiterungen erfuhren. Im Gegensatz zu anderen Mühlen, wie er z.B. im Museum Neue Mühle in Erfurt oder unweit in der Kumpfmühle - Prien gezeigt wird, wo man die nahezu ausschließlich alte Maschinen vorfindet, entdeckt man in der Mühle St. Johann auch moderne Maschinen, die alte Maschinen ersetzt haben.
Solche Umbauten findet man dann auch in der Drax-Mühle, wo moderne Mühlenmaschinen mit alten Maschinen gemeinsam den Betrieb ermöglichen.
Da trieb die Turbine zunächst die Zentraltransmission an, später dann einen Generator und die Maschinen der Mühlen wurden auf elektrischen Einzelantrieb umgestellt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Das unfallträchtige Hantieren mit den Treibriemen entfiel, zudem konnten die Maschinen wesentlich einfacher zu- und abgeschaltet werden, als auch die aufwendigen Zentraltasmissionen, die selbst im Leerlauf Energie verbrauchten, entfallen konnten.
Bei der Mühle St. Johann hingegen findet man daher auch die Einzelantriebslösung, wobei die Walzenstühle noch von der Zentraltransmission, dem sogenannten "liegenden Zeug" angetrieben werden. In der Mühle St. Johann hat man wie in den meisten Mühlen in Bayern das Wasserrad früh abgeschafft und ist auf eine Turbine gewechselt, wobei hier aufgrund des gestiegenen Leistungsbedarfs zusätzlich zur liegenden Francis-Schacht-Turbine eine weitere moderne liegende Schachtturbine eingebaut wurde.
Es ist nicht immer sinnvoll, eine andere Technik, wie die Turbine vorbehaltlos einzusetzen. Dies merkt auch der Müller in der Mühle St. Johann heute, denn der alte horizontale Rechen ist weniger gut geeignet Schwemmstoffe zurück zu halten, so daß diese oft die liegende, große Turbine verstopfen. Dies kann bei einem Wasserrad kaum passieren, wie die Müller der Drax Mühle berichten können, die Turbine gegen Rad getauscht haben.
Dabei wäre in der Mühle St. Johann genügend Raum für ein modernes Zuppinger-Wasserrad, und schlechter als die Turbine würde es sich bei 2,5 Kubikmeter Wasser und 4 Meter Gefälle auch nicht machen, was die Leistung angeht.

 

Die Mühle St. Johann bei Siegsdorf im Chiemgau
Die Mühle St. Johann in Siegsdorf, eine wunderschöne Anlage im Chiemgau,
noch heute in Betrieb, mit einem herrlichen Mühlenladen

Viele Wassertriebwerk entlang der Ströme des Voralpengebiets sind in den Büchern und Überlieferungen erwähnt, erhalten sind aber nur wenige.
Die Mühle St. Johann hingegen liegt nicht am Mühlkanal der Prien, sondern bekommt Ihr Wasser von einem kleinen Strom der Roten Traun. Es stehen so rund 4 Meter Nutzgefälle zur Verfügung, wobei rund 2500 Liter Wasser pro Sekunde als nutzbare Menge genutzt werden können. Daher kann die Mühle rund 75 kW elektrische Energie aus der reinen Wasserkraft erzeugen.
Früh wurde daher das alte Wasserrad demontiert und zugunsten einer kleinen Francis-Schachtturbine ersetzt. So konnte man mit weniger Raumbedarf die gleiche Leistung erzeugt werden. Später wurde dann eine zusätzliche, größere Turbine eingebaut.
Aufgrund der gegeben Wasserkraft an der Mühle St. Johann konnte so die Tagesleistung auf über 15 Tonnen Vermahlungsleistung gesteigert werden.

Bei all diesen Mühlen des Handwerksbereiches wurde zwar gedroschenes Gut angeliefert, aber meist war es nicht von Fremdsaaten, Steinen und anderen Fremdeinschlüssen gereinigt, was nun in der Mühle gemacht werden musste.
Es entstanden die sogenannten Kunstmühlen, wie auch die Dinkelmühle Graf oder das "Museum" Kumpfmühle, Prien, wo Reinigung, Getreide- und Vermahlungsgüter Trennung und die eigentliche Vermahlung recht "automatisiert" war.
Die Mühle St. Johann ist daher ebenfalls als Kunstmühle ausgeführt worden, auch wenn wie in vielen Handwerksmühlen üblich der Müller hier noch viel manuell erledigen muss.
In modernen Großmühlen erfolgt dies vollautomatisch und computer-gesteuert, in St. Johann ist dies alles noch Kunst und Geschick des Müllers.

Auf der Rückseite der Mühle St. Johann ist die Wasserzuleitung, der Mühlgraben vom Wehr zur Mühle, zu sehen. Reste des zweiten Rechens sind hier zu sehen, der im Zuge der Modernisierung nicht wieder in Stand gesetzt wurde.
Es gibt aber Überlegungen, diesen Rechen wieder in Betrieb zu nehmen, da Schwemm und Schwebstoffe durch den älteren Rechen am Wehr nicht sicher zurück gehalten werden.
Direkt dahinter ist der Anbau des Turbinenhauses über dem Mühlkanal zu erkennen, worin die beiden Francis-Turbinen eingebaut sind.
Früher, so Müller Bachmeier, drehte sich hier ein großes unterschlächtiges Wasserrad, bevor dann die "kleine Turbine" eingebaut wurde, und dieses ersetzte.

Kanal der Mühle St. Johann - Wasserzuführung zur Mühle
Francis-Schachtturbine der Mühle St. Johann

Über den Kanal gelangt das Wasser ins Turbinenhaus, wo es von oben in den Betonschacht der kleinen Francis-Turbine gelangt. Diese Turbine ist liegend ausgeführt und wird von oben von einem typischen Fliehkraftregler gesteuert. Der Antrieb des Reglers erfolgt dann von der Welle über eine eigene Treibscheibe.
Die Turbine liegt nur wenig über dem Unterwasser und ist daher anfällig für Hochwasser, was dann die Gesamtleistung des Wasserkraftwerks beeinträchtigt.
Allerdings ist diese Turbine ebenfalls über 80 Jahre alt und immer noch in Betrieb, sie wurde unter der Seriennummer 7821/22 im Jahre 1922 als Schachtturbine von Voith in Heidenheim gebaut. Dabei liegen die Turbine an der gegenüberliegenden Schachtwand, das Knierohre nach innen zur Schachtmitte, die Welle läuft durch beide das hintere Turbinenlager und das Knierohrlager letztendlich durch das Wandlager mit den Stopfbuchsen hindurch. Eine heute eher selten anzutreffende Konstruktion, früher aber durchaus üblich.
Ihre Leistung reichte dennoch schon bald nicht mehr aus, weshalb die neue Turbine später mit auch neuen Müllereimaschinen eingebaut wurde.
Die Öffnungsweite der Einlassklappen zeigt ein kleiner Zeiger auf einer Skala am Fabrikschild an, zur Zeit der Aufnahme waren die Klappen rund 80% geöffnet, die Turbine lief also im Volllastbereich.
Über einen Riemen treibt diese Turbine direkt noch das liegende Zeug im Antriebskeller der Mühle an.

Der alte Voith Fliehkarft-Regler der "kleinen Turbine". Noch immer unermüdlich versieht er seinen Dienst, und was kaum jemand merkt: Diese Turbine dreht meistens nicht nur im Schwachlastbetrieb, sondern zumeist mit 40 bis 60 Prozent der maximalen Leistung. Der Fliehkarftregler stellt verstellt aufgrund der Turbinendrehzahl die Leitschaufeln, die ringförmig um den Turbinenläufer angeordnet sind, so daß die Turbine von Leerlauf bis maximale Durchsatzleistung automatisch drehzahlabhängig geregelt wird. Ähnlich alter Dampfmaschinen, wo auch der Dampfeintritt zur Maschine entsprechend gesteuert wurde und dann über dne Fliehkarftregler mehr oder weniger Druck auf die Zylinder wirken konnte, wird hier durch die Leitschaufelverstellung mehr oder weniger Wasser durch den Ringförmigen Turbineneinlass gegeben. Eine Verstellstange reicht vom Fliehkraftregler zum Stellhebel an der Turbine, wodurch die Stellung des Fliehkarftreglers direkt mechanisch an die Turbine übermittelt wird.
Diese alten Regler findet man aufgrund der robusten und wenig störanfälligen Bauweise noch in vielen Wassermühlen mit Wasserturbinenantrieb.

Der alte Voith Fliehkarftregler für die Turbine aus dem Jahr 1922
Die moderne, vertikale Francis-Schachtturbine

Von der moderne Turbine, die 1991 eingebaut wurde sieht man nicht viel. Es ist eine moderne, elektrohydraulisch gesteuerte Anlage mit einer liegenden Francis-Schachtturbine. Aus dem Boden ragt nur noch die drehende Welle mit der großen Riemenscheibe, die einen modernen Generator auf einem eigenen Sockel antreibt.
Im Bild Vordergrund sieht man den hydraulischen Zylinder, welcher die Stellung der Turbinenleitschaufeln regelt. Die Drehzahl wird elektronisch aufgrund der Frequenz des Generators erfasst und damit der hydraulische Steller betätigt, der nun die Leitschaufeln mehr oder minder öffnet, und so den Wasserdurchsatz und damit die Leistung der Turbine steuert. Im Hintergrund das massive Schütztor zum Absperren des Turbinenkanals. Beide Turbinen liegen hintereinander im gleichen Schacht, weshalb meist beide Turbinen auch in Betrieb sind.

Vom Innenhof aus wird der gesamte Mühlenhof sichtbar. Im Anbau mit den Garagen befindet sich der Mühlenladen. Links der ist dann der Speicherbereich und es folgt der Hauptkomplex der Mühle, wo über mehrere Ebenen die Vermahlungstechnik unter gebracht ist.
Der große hilft Fahrzeugen die Getreide anliefern, oder Vermahlungsprodukte abholen die bequeme Einfahrt in den Mühlenhof. Nicht zu sehen ist rechts der Anbau, wo die Verladung der Müllerei Produkte erfolgt. Hier befindet sich direkt am Lager eine große Laderampe. Palettenverladung der großen Produktsäcke.
Hier werden die Produkte zu den Kunden gebracht, zum Teil auch durch Speditionen oder den Inhaber der Mühle selbst an die meist regionale Kundschaft der Mühle geliefert.

Der Innenhof der Mühle St. Johann
Der Eingang zur  Mühle St. Johann

Die Eingangstür zur Mühle führt direkt in den Antriebskeller.
In den meisten Mühlen, wie z.B. in der Mühle Drax, in der Kumpfmühle, auch der Dinkelmühle Graf führt eine Stiege direkt auf den Mahlboden. Ähnliches findet man nur im Museum Neue Mühle, wo der Rundgang im Getriebekeller beginnt.
Es ist durchaus führer üblich gewesen, die Kundschaft auf dem Mahlboden zu empfangen, so daß der Eintritt in den Antriebskeller sicherlich eine Ausnahme darstellt, hier wohl auch aufgrund baulicher Veränderungen, aber auch baulicher Gegenbheiten so gelöst wurde.
Letztendlich gelangt der Kunde über eine Treppe im Inneren direkt auf den Mahlboden und kann von dort aus in den Mühlenladen gelangen, wo er ein überaus reichhaltiges Angebot an mühlentypischen Angeboten

Angetrieben werden die Vermahlungsmaschinen von einem sogenannten "liegendes Zeug". Im Gegensatz zum Stehenden Zeug, welches man bei der Mühle Strötzbach finden kann, wo die Antriebsmaschine eine stehende Welle antreibt, auf der ein großes als Kammrad ausgeführtes Flugrad die Mahlgänge antreibt, treibt hier die alte Turbine eine durchgehende Welle an, die auf vielen Lagerblöcken liegend in der Mühle vorgefunden werden kann. Von hier aus gehen Triebriemen noch oben in die Mühle. Dies ist in vielen Wassermühlen so zu finden, wie in der Drax Mühle oder auch in der Neuen Mühle ist dieser eigentlich recht typische Antrieb zu finden.
Man sieht auch gut den elektrischen Hauptantrieb der Mühle, der direkt auf die Haupttreibscheibe eingreift, die auch direkt von der kleinen Turbine angetrieben wird.
Von oben kommen die Röhren der Vermahlungsmaschinen, die zu den Elevatoren führen oder zu den pneumatischen Transportrohren gehören, die die Produkte wieder nach oben in die Mühle transportieren.

Das liegende Zeug und der große Motor der Mühle.
Der Mahlboden der Mühle St. Johann

Über die Treppe gelangt man aus dem Antriebskeller direkt auf den Mahlboden der Mühle. Treibriemen laufen durch den Boden direkt an die Walzenstühle, treiben diese an. An der Rückwand laufen die Rohre der pneumatischen Förderung, wobei hier Schaugläser angebracht sind. In zwei Reihen stehen hier die Walzenstühle der Firmen MIAG und Seck. Ein großer Doppelwalzenstuhl stammt von der Mühlenbauanstalt Amme - Giesecke - Könegen, welche später in die Firma MIAG überging.
In der Mühle war zum Zeitpunkt meines Besuchs keine Mahltätigkeit, die Mühle war gereinigt und der Betrieb ruhte doch werden von diesen Mahlmaschinen nicht nur kleine regionale Läden beliefert, sondern auch andere Mühlenläden, deren Mühlen nicht mehr mahlen.

Die Reinigung der Mühle steht wie bei der Neuen Mühle in Erfurt in einem extra Gebäudetrakt. Die Anlieferung erfolgt nicht im Hof, sondern ist über eine breite Schüttgosse direkt bei der Anfahrt der Mühle in den Speichertrakt gelöst. Von dort gelangt das Getreide direkt in den Gebäudetrakt mit den Reinigungsmaschinen, die hier genügend Raum gefunden haben. Dabei fällt auf, daß hier moderene Maschinen und alte Maschinen miteinander verschmelzen. Auf dem hölzernen Träger des ehemaligen Aspirateurs ist ein moderner Ausleser montiert worden, der nun die gleichen Aufgaben des Aspiratuers übernimmt. Belassen wurde im Gestell der alte Trieur, der noch heute seinen Dienst tut.
Über einen Schwingsgenerator am vorderen Ende wird das Gerät in Schwingungen versetzt, die das angelieferte Getreide über Siebflächen bewegen. Durch einen konstanten Luftstrom werden leichtere Fremdsaaten abgesaugt, auch Strohreste und Spelzen, die verblieben sind, werden so abgeführt. Das Gut fällt nun in den Trieur darunter, der nun Fremdsaaten aussortiert.
In vielen Mühlen sind Trieur und Ausleser getrennt aufgestellt, in anderen Mühlen, wie der Kumpfmühle in Prien, ist die gleiche Kombination der Firma Seck Mühlenbau zu finden. Nur ist in der Kumpfmühle noch der normale, alte Aspirateur montiert, in der Mühle St. Johann wurde statt dessen der moderne Ausleser montiert.

Die Kombination aus Ausleser und Trieur.
Die alte Schälmaschine der Mühle St. Johann

Eine ältere Schälmaschine steht ebenfalls noch in der Mühle, aber der Treibriemen liegt hier nicht mehr auf. Eine neuere Maschine im Reinigungsturm hat diese Aufgabe übernommen. Dennoch kann diese Maschine bei Bedarf über einen Treibriemen in Betrieb genommen werden und scheint unter bestimmten Betriebsumständen auch immer mal wieder Getreide zu schälen.
Im Inneren der runden Trommel wirft ein Paddelartiges Werk das Getreide immer wieder gegen einen rauen Innenmantel einer Metallischen Trommel. Dabei wird vom Getreidekorn die feine, das eigentliche Samenkorn umgebene Schalen-Häutchen abgerieben. Ein im oberen Bereich der Maschine angebrachte Aspirationslüfter saugt dabei die feinen Schalenanteile ab, die als sogenannte Schälkleie seperat abgefiltert und abgepackt wird. Neuere Schälmaschinen sind ähnlich aufgebaut, nur kleiner, kompakter und leistungsfähiger.

Eine eher selten zu findende Reinigungsmaschine ist der Schneckentrieur. Er ist hilfreich, bestimmte Fremdsaaten aus dem zur Vermahlung angelieferten Getreide aus auszusortieren. Das Gut wird oben aufgegeben und beginnt nun die Schneckenartige Rinne hinunter zu gleiten. Schwere Saaten gleiten dabei näher an der äusseren Rand, leichte Saaten näher an der inneren Wandung, runde Saaten werden zudem schneller und aufgrund der Geschwindigkeit ebenfalls an die Aussenwand geführt. Unten werden dann die inneren, mittleren und äusseren Produktströme abgeführt.
Dieses Auslesegerät ist in keiner anderen Mühle, die hier in Rundgängen präsentiert werden, zu finden und ist daher hier vorgestellt, weil der Schneckentrieur in vielen moderneren Mühlen kaum weg zu denken ist. Seine Einfachheit und sein simples Funktionsprinzip machen den Schneckentrieur noch heute auch in Großmühlen zum wichtigen Auslesegerät.
Der Schneckentrieur arbeitet ausschließlich mit der Schwerkraft und der Zentrifugalkraft die das Gut auf der Kreisrutsche trennt. So braucht dieses Gerät keinerlei Antriebskraft um zu funktionieren, was natürlich in Handwerksmühlen unheimlich wichtig ist, da hier nicht immer mit Antriebsleistung ohne Ende um sich geworfen werden kann.

Der Schneckentrieur der Mühle St. Johann
Schleusen der pneumatischen Förderung unter dem Dach der Mühle

In vielen Mühlen wurde früher das Gut mittels Schnecken oder Elevatoren gefördert. Im Zuge der Technisierung und Modernisierung der Mühlen wurden die Güter mehr und mehr mit einem Luftstrom transportiert. Da Mehlstaub hoch explosiv ist, kann der austretende Staub aus dem Elevator ebenso wie das nahezu optimale Luft-Mehlstaub-Gemisch der pneumatischen Förderung zur gefürchten Mehlstaub-Explosion führen. Diese haben schon viele Mühlen total zerstört und sind auch heute Anlass, daß Mühlen als Explosionsgefährdete Bereiche gelten. So sind die pneumatischen Wege auch besonders gesichert. Damit nun Transportluft und Transportgut voneinander getrennt werden kann, steht in der Mühle St. Johann unter dem Dach eine Batterie aus Trennzellen. Diese besitzt verschiedene Zyklone, wo sich Gut und Luft trennen, darunter dann entsprechende Schleusen, die nun auch wirklich Transportluftstrom vom weiter zu führenden Gut trennen. Die Luft wird über einen Filter abgeführt und das Gut fällt durch Schwerkraft in dne Zinkrohren allein den anderen Maschinen zu.

Die wichtigste Maschine ist nun der Sichter. In der Mühle St. Johann sorgen zwei Plansichter von Sangati aus Italien für die Trennungsarbeit. Über den Sichtern steht die Schleusenbatterie, damit nur die zu trennenden Güter in die Sichter gelangen, nicht aber die Transportluft. Hinter den orange farbig abgesetzten Türen sitzen nun Siebrahmen, die je nach Gut und je nach Auslesegrad entsprechend gestapelt werden. Dann werden die gesamten Sichterschränke ein eine kreisedne Schwingung versetzt, die nun das Gut über die Siebrahmen fördern. Im Gegensatz zu den rotierenden Sechskantsichtern, die man in den Bauernmühlen Straubenhofes und der des Benz Hofes am Rain findet, aber auch in der Kumpfmühle schafft der Plansichter eine bessere Trennung der Güter und auch mehr Durchsatz. Nach der Trennung der Güter fallen diese durch Röhren unter dem Sichter dem Rohrboden der Mühle zu, wo diese weiter verteilt werden.

Die modernen Plansichterschränke der Mühle
Der Rohrboden der Mühle St. Johann

Auf dem Rohrboden werden die durch den Sichter getrennten Produktströme weiter verteilt. Dabei kommt auch über den Rohrboden eine Absackbank zum Einsatz, die man in anderen Mühlen wie der Drax Mühle oder auch der Maiermühle finden kann. Zentrales Organ in der Mühle St. Johann ist dann das sogenannte Register. Durch Klappen kann das vom Sichter kommende Gut entsprechend weiter gefördert werden, oder wird gesammelt abgeführt.
Der Müller kann so durch das Register schon imVoraus ein wenig beeinflußwelches Endprodukt entsteht und welche Güter daher weiter verarbeitet werden. Solche Register findet man auch in der Drax Mühle und in anderen Kunstmühlen, sie fehlen aber zum Beispiel in der Maiermühle. Dennoch ist der Rohrboden der Mühle St. Johann recht aufgeräumt, weil genügend Platz vorhanden ist.

Die älteren stehenden Mischer in der Mühle St. Johann. In diesen Mischern wird aus den einzelnen Vermahlungsgütern das fertige Endprodukt angemischt. Dazu führt der Müller die Produktströme des Sichters direkt in dne Mischer, andere Stoffe gibt es nach Menge und Endprodukt entsprechend manuell dem Mischer zu, der die einzelnen Stoffe zum fertigen homogenen Endprodukt vermischt.
In der Drax Mühle findet man auch dafür extra Klappen auf dem Rohrboden wo man entsprechend abgesackte Stoffe dem Mischer einfach und sicher zuführen kann.
Im Mischer rotiert eine Schnecke, die die Stoffe vom trichterförmigen Ende des Mischers, wo eine Absackvorrichtung für das fertige Endprodukt, angebracht ist, mittig nach oben zieht. Dann sackt das Gut an den Aussenwänden nach unten, wo es die Schnecke wieder aufnimmt und nach oben zieht. Im Rundgang durch die Neue Mühle kann man die Schnecke durch die geöffnete Luke sehen.
Im Bild sieht man zwei Mischer, so daß hier wie in der Neuen Mühle Erfurt zwei unterschiedliche Endprodukte angemischt und abgesackt werden konnten.

Die alten stehenden Mehlmischer in der Mühle
Der liegende Mehl-Mischer der Mühle St. Johann

Wie in der Maiermühle in Teisendorf und auch der Mühle Drax gibt es eine andere Form des Mischers. Es ist der liegende Mischer. In seinem Unterteil rotiert ebenfalls eine Schnecke, das Gut wird quer abgezogen, nach oben transportiert und dem Mischer wieder zugeführt.
So wird auch hier der Inhalt des Mischers zu einem homogenen Endprodukt zusammen gemischt, welches dann der Absackvorrichtung zugeführt wird.
In einigen Mühlen wird der Inhalt des liegenden Mischers zum Absacken in die stehenden Mischer umgefördert, so daß der liegende Mischer für ein neues Produkt genutzt werden kann, währen das fertige Endprodukt aus dem stehenden Mischer nach und nach in Säcke abgefüllt werden kann. Dieses Vorgehen verringert an einigen Mühlen die Stillstandszeiten oder mühevollen Zwischenlagerungen der Zwischenprodukte. Dieses Verfahren stellt aber wahrscheinlich eine Ausnahme dar, in den meisten hier vorgestellten Mühlen wurden die Produkte des Mischers sofort abgesackt, in anderen Mühlen wandern die Endprodukte direkt in große Mehlsilos, die aber meist an den Handwerksmühlen fehlen.

Die alte Absackung aus den stehenden Mischern.
Hier sient man das trichterförmige Ende der Mischer. Hier ist eine Klappe montiert und eine Spannvorrichtung. Mit der Spannvorrichtung wurde ein Sack unter dem Mischer sicher aufgehängt und dann mit Betätigen der Klappe mit dem im Mischer bevorrateten Produkt befüllt.
In vielen Handwerksmühlen ist dies immer noch üblich. Damit die Säcke auch korrekt befüllt werden, schob man eine Sackwaage unter dem Mischer. So wurde der Sack beim Befüllen gewogen, klappte die Waage um, schloss man die Klappe und der Sack konnte geschlossen werden.
An anderen Mühlen, wie der Maiermühle erfolgt die Absackung direkt aus dem liegenden Mischer, und auch in der Mühle St. Johann wird das fertige Endprodukt direkt aus dem liegenden Mischer an eine automatische Abfüllanlage geschickt, die automatisch den Befüllungsvorgang abbricht, wenn der Sack das korrekte Gewicht hat...

Die Absackstellen der stehenden Mischer
Der Absackplatz für Kleinmengen in der  Mühle St. Johann

Für Kleingebinde gibt es in der Mühle St. Johann eine gesonderte Absackung. Gier wird aus einem kleinen Blech-Speicher entsprechendes Endprodukt in Säcke von zum Beispiel 5 Kilo und 10 Kilo, oder 12,5 Kilo abgefüllt.
Dazu gibt es zusätzlich eine Vorrichtung um andere Produkte aus einem kleinen selbstgebauten Produktspeicher abzuziehen und ebenfalls abzufüllen. So können auch Mischungen mit anderen Inhaltsstoffen, wie zum Beispiel Flocken, Sesamkörnern, Hafer, oder Buchweizen angefertigt werden.
Auf dem Tisch liegt dann eine Sacknähmaschine, mit der die Papiersäcke nach Falzen sauber und dicht verschlossen werden können.
Auch eine Waage steht bereit, damit die Kleinpackungen auch korrekt abgefüllt werden können.

Für sogenannte Kleinstmengen gibt es keine Abfüllung im herkömmlichen Sinne, sondern nur eine saubere Werkbank aus lackiertem Holz. Hier steht eine Digitalwaage und es liegen Papiertüten bereit. Hier werden Kleinstmengen im Bereich 250 Gramm bis 3 Kilo abgefüllt. Dazu wird aus einem Sack des fertigen Endproduktes mit den Metallmehlschaufeln die entsprechende Menge entnommen und in die kleine Papiertüte umgefüllt. Diese wird gewogen und dann imit anderen Kleinstverpackungen gefalzt und verschlossen. Diese werden dann in Kisten verpackt als Palettenware zu den Abnehmern transportiert.
Dabei stehen meist nicht Mehle im Vordergrund der Kleinstmengen, sondern zum Beispiel die als Ballaststoff gehandelte Kleie. Aber auch Getreideflocken oder grobe Vermahlungsprodukte, wie bestimmte Schrote oder Griese sind in Kleinstmengen meist von Dirketkunden des Mühlenladens sehr gefragt.

Arbeitsplatz zum Füllen von Kleinstmengen Packungen
Das Lager in der Mühle St. Johann

Das Lager der Mühle. Die erzeugten Produkte werden hier auf Paletten gelagert, für die Kunden der Mühle zusammen gestellt und dann über eine Verladerampe LKW gerecht bereit gestellt.
Große Säcke von 20, 25 oder 50 Kilo sind hier für die Kundschaft bereit gestellt oder zur Abholung vorbereitet. Kisten mit Kleinmengen oder abgepackten Kleinsmengen für regionale Abnehmer sind hier ebenso abgestellt, wie dann auch Beiprodukte der Mühle, wie z.B. Kleie oder Saaten zur Beimischung in bestimmte Mehl- oder Flockenmischungen.
Hier finden sich neben Roggenmehlen unterschiedlicher Typklassen, auch Weizenmehle und Dinkelmehle, die meisten von regionalen Erzeugern für regionale Abnehmer, zumeist in Bio-Qualität.

Wie die meisten kleinen Handwerksmühlen hat auch die Mühle St. Johann einen kleinen Mühlen-Laden mit allerlei mühlentypischen Produkten.
Von Mehlen in verschiedenen Typen und Sorten erhält man hier auch diese Mehle in besonderen Klassen, wie Weizen-Dunst zur Nudelherstellung, oder Dinkelschrot für den besonderen Biss im Brot. Auch kleine Tütchen mit Kleie oder Flocken gibt es, sowie allerlei Müsli und Frühstücks-Getreideprodukte.
Zumeist kann man im Laden aber auch andere Stoffe von befreundeten regionalen Kleinanbietern erhalten, wie besondere Honigsorten oder auch hausgemachte Nudelspezialitäten, natürlich aus dem Mehl der Mühle gefertigt. Ebenso findet man Dauerbackwaren, wie besondere Knäckebrote, Dauerbrotspezialitäten (z.B. Vintschgau Taler), Weizenstangen oder viele verschiedene Kekse. Der Besuch lohnt sich daher, denn je nach Zeit und Möglichkeit variiert das Angebot, so daß es immer wieder Neues im Laden zu entdecken gibt.

Der Mühlenladen in der Mühle St. Johann
Der alte Diesel in der Mühle St. Johann

Ein Kleinod allerdings versteckt der Inhaber der Mühle hinter einer Tür im Antriebskeller: Es ist der alte Diesel der Mühle. In Zeiten von knappem Wasser oder wenn das Wasser nicht für den Betrieb der Mühle mittels der Turbine reichte half man sich nicht mit Strom aus dem öffentlichen Netz, sondern mit Dieselkraft. Denn das öffentliche Stromnetz war nicht so gut ausgebaut, noch so zuverlässig, als daß man damit hätte eine Mühle betreiben können. Dies ist erst in neuerer Zeit der Fall, so daß die meisten Mühlen mit Historischen Wurzeln sich in Zeiten der Wasserknappheit mit einer anderen Kraftquelle helfen mussten. Dies waren anfänglich Dampfmaschinen, meist Lokomobile, die dann die die Mühle antrieben. Später lösten Rohölmotoren, Gasmotoren oder der robuste Dieselmotor die Dampfkraft ab.
In der Mühle St. Johann ist es ein Deutz Dieselmotor, wahrscheinlich vom Typ MIH.
Der Diesel dürfte letztes Relikt sein, als die Mühle noch nicht mit Kraftstrom angetrieben werden konnte, ein absolutes Liebhaberstück...

Wenn man die Mühle St. Johann erreicht, findet man die sich zunächst auf der Rückseite der Mühle wieder, wo man direkt auf die Speicherzellen, Schüttgosse und die gedrungene Einfahrt blickt. Sicheres Zeichen der Mühle ist dann ein auf dem Rasen abgelegter großer Mühlstein. Ob dieser aus alten Zeiten der Mühle stammt, als diese noch mit Gängen das Getreide vermahlen hat, ist unklar. An der Einfahrt findet sich dann über dem Mühlstein das Zeichen der Mühle, welches zudem mit einem Spruch versehen ist. Dieser lautet:
 
Diese Mühle ist sehr alt, das Wasser wollt sie mit Gewalt,
Salzeder hat recht viel bezahlt, damit sie noch lange weiter mahlt.

August 2002

Deutlicher kann der Hinweis auf die bewegte Geschichte einer Mühle nicht sein.

Die Einfahrt in die Mühle St. Johann, mit altem Mühlstein und Gedenkspruch zum Umbau im Jahre 2002.

Auch dieser Rundgang endet nun hier. Diese Mühle ist besucht und vorgestellt worden, weil sie einige regionale Bauernläden beliefert, insbesondere aber die nicht mehr aktive Kumpfmühle mit Mühlenprodukten beliefert. So kam nach dem Besuch der nicht aktiven Mühle in Prien die Neugier auf, die aktive Wassermühle zu besuchen, die für die angebotenen Produkte sich verantwortlich zeigt.
Zwar sind weder in Prien noch in Siegsdorf Wasserräder für den Antrieb der Mühlen verantwortlich, noch beteiligt.. dennoch stellen sie typische Vertreter der Mühlen ihrer Gegend dar. Die technische Ausstattung variiert mit den anderen Mühlen, die hier in den weiteren Rundgängen vorgestellt werden, ist jedoch durchaus vergleichbar.
Wichtig war hier an der Mühle St. Johann, daß diese noch in Betrieb ist. Aktiver Mahlbetrieb ist eher selten zu finden und von allen Rundgängen konnte nur noch in der Drax Mühle ein aktiver und im Betrieb befindlicher Mahlbetrieb vorgefunden werden. Zwar ist deutlich in der Mühle St. Johann der aktive Mahlbetrieb an vielen Spuren zu erahnen, und damit deutlich präsenter gewesen als z.B. in der Maiermühle, jedoch kein Vergleich zu den nicht mehr aktiven Mühlen wie Museum Neue Mühle oder Kumpfmühle, Prien, wo man deutlich den eingestellten Betrieb erkennen kann. Am intensivsten jedoch war die Betriebserfahrung mit allen Sinnen in der Dinkelmühle Graf aufgrund des intensiveren Geruches nach Mehl, Stroh und Holz. Hingegen war es in der Drax Mühle greifbarer, weil man hier den Mahlstühlen bei der Arbeit zusehen konnte, und man dem Müller bei der Arbeit über die Schulter schauen konnte.
Dennoch ist die Mühle St. Johann wichtig gewesen, aufgrund der Regionalen Bedeutung als Lieferant der Mühlenläden und der Betriebsfähigkeit, zudem kann sie als Bespiel der typischen Mühlen der Region gelten, die man in den Tälern an den Flüssen der Voralpen findet. Selten nur dreht sich hier ein Wasserrad, es sind die Francis-Schacht-Turbinen, die hier dominieren. Schon aus diesem Grunde, auch wenn es meine persönlichen Vorlieben nicht deckt, ist es mein Wille, auch diesen Gegensatz zu den anderen, mit Wasserrädern betriebenen Wassermühlen hier beispielhaft vorzustellen. Die Kumpfmühle wegen ihrer eher seltenen Lösung mit der Freistrahlturbine, und die Mühle St. Johann wegen ihrer typischen Wasserkraftanlage mit Francis-Schacht-Turbinen.
Der Besuch in der Mühle lohnt sich, da der Müller, sofern er Zeit hat, gern Besucher durch die Mühle führt. Er erklärt die Maschinen, deren Funktion und natürlich den Weg des Getreides durch die Mühle auf dem Weg zum fertigen Endprudukt - einem guten Mehl. Und genau über dieses weiß der Müller viel zu berichten und zu erzählen, so daß hier eine Menge Informationen vermittelt werden, die heute in Schule und Gesellschaft mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Auch gegen dieses Vergessen soll sich dieser Rundgang erwehren.

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